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PRIME VALUES – AKTUELL 03/2025

12. September 2025

Änderungen im Anlageuniversum

Das Ethik-Komitee hat für das Anlageuniversum der PRIME VALUES Fonds in den vergangenen Monaten unter anderem folgende Entscheidungen getroffen:

Siemens Healthineers (DE) – Aufnahme

Die deutsche Siemens Healthineers AG ist einer der weltweit grössten Anbieter von Produkten, Lösungen und Dienstleistungen der Medizintechnik (Hightech-Diagnostik und -Behandlung).

Das Unternehmen tangiert das Ausschlusskriterium „Gefährliche Stoffe“ durch die in den Strahlentherapie- und Imaging-Geräten enthaltenen Substanzen. Es mediiert den negativen Impact aber durch ein konsequentes Chemie- und Abfallmanagement entlang der gesamten Wertschöpfungskette, technische Innovationen bei der Vermeidung und hohe Transparenz. Insgesamt wird der positive gesellschaftliche Beitrag zu „Gesundheit & Wohlergehen“ in eine langfristige Nachhaltigkeitsstrategie eingebettet, negative Auswirkungen auf die Umwelt bedacht und verringert. Das Ethik-Komitee hat Siemens Healthineers mit dem Prädikat „positiv“ ins Anlageuniversum aufgenommen.

Tesla (USA) – Ausschluss

Tesla Inc. produziert vollelektrische Automobile, Systeme zur Produktion von Energie (solar) sowie zur Stromspeicherung (Batterien) und bietet Dienstleistungen (u.a. Netz von Ladestationen) in Zusammenhang dieser nachhaltigen Produkte an.

In ökologischer Hinsicht überzeugt gleichermassen der Beitrag zur Bekämpfung des Klimawandels und die proaktive Innovationskraft – offene Fragen bezüglich Rohstoffe und Recycling sowie hohem Gewicht der Autos und Reifenabrieb bleiben bestehen. Tesla ist zudem in zahlreiche, teils schwerwiegende, Kontroversen verwickelt. Dies betrifft den Konsumentenschutz (u.a. Todesfälle infolge Fehler des autonomen Fahrsystems), Diskriminierung am Arbeitsplatz in den USA und Verstösse gegen das Recht auf Gewerkschaftsvertretung in den USA, was einer gravierenden Menschenrechtsverletzung gleichkommt. Das Ethik-Komitee verzichtet aufgrund der Kumulation von kritischen ökologischen, sozialen, ökonomischen und politischen Aspekten auf eine Bestätigung im Anlageuniversum und schliesst den Titel aufgrund von Menschenrechtsverletzung aus.

Top-Performer seit Jahresbeginn

Die Aktie von Prysmian Spa (ISIN IT0004176001) hat in den vergangenen Monaten mitunter den besten Performancebeitrag für die PRIME VALUES Fonds generiert und seit Jahresbeginn in Euro um 18 % zugelegt (Total Return, Stand 31.08.2025).

Die Prysmian Group ist der weltgrösste Kabelhersteller mit Sitz in Mailand und erwirtschaftete 2024 über EUR 17 Mrd. Umsatz. Das Produktportfolio umfasst Hochspannungs-, Mittelspannungs- und Niederspannungskabel, Glasfaser-, Telekommunikations- sowie Steuerkabel für Erd-, See- und Freileitungen. Mit 30’000 Mitarbeitenden in über 50 Ländern ist der Konzern geografisch breit diversifiziert.

Prysmian profitiert von strukturell steigenden Investitionen in die Netzinfrastruktur in fortgeschrittenen Volkswirtschaften und generell vom Trend zur Energiewende, da rund 65 % des Geschäfts Produkte in diesem Themenbereich darstellen. Der Konzern ist mit einem Marktanteil von rund 50 % bei Kabeln und einem Anteil von etwa 7 % am Konzernumsatz im Bereich Rechenzentren gut positioniert, um von den Netzmodernisierungen in den USA zu profitieren. Die starke US-Produktionspräsenz bietet hierbei Schutz vor Importzöllen. Rohstoffpreisvolatilität, vor allem bei Kupfer und Aluminium, kann die Ergebnisse auch künftig beeinflussen. Die deklarierten Kupferzölle sorgten zuletzt für etwas mehr Transparenz in diesem Bereich.

Unsere Portfoliomanager sehen nach den starken Ergebnissen des zweiten Quartals weiterhin gutes Potenzial für die Aktie.

 

Quelle Grafik: Bloomberg

Mobilfunknostalgie und Hightech-Waffen

In der letzten Sitzung des Ethik-Komitees stand ein Unternehmenstitel zur Diskussion, welcher viele Erinnerungen an die Mobilfunkzeit samt Klingeltönen vor dem Smartphone-Zeitalter weckt: Nokia Oyj. Entgegen landläufiger Meinung ist der finnische Konzern nach dem Siegeszug des iPhones und anderer Konkurrenzprodukte nicht etwa in der wirtschaftlichen Versenkung verschwunden, sondern hat sich im Telekommunikationsinfrastrukturgeschäft, insbesondere bei B2B-Netzwerklösungen (abermals) zu einem globalen Player entwickelt.

Allgegenwärtige Rüstungsfragen

Mit 78‘400 Beschäftigten, einem jährlichen Umsatz von EUR 19.22 Mrd. und weltweiter Präsenz auch in vielen spannenden Wachstumsmärkten, scheinen ethischer Anspruch und Investment-Interesse auf den ersten Blick in Einklang zu stehen, insbesondere da das in Espoo bei Helsinki beheimatete Unternehmen branchenüblich kritischen Fragen wie der Beschaffung mit solidem Lieferantenkodex, EcoVadis-Assessments und Rohstoff-Policy vernünftig begegnet. Während jedoch in vielen Teilen Europas die Rüstungsindustrie weiterhin hochgefahren wird und sich spezifisch auch in Finnland das gesellschaftliche Klima gewandelt hat, reift bei der Recherche zu Nokia dann nur allzu schnell die Erkenntnis, dass einen die zuletzt allgegenwärtige Gretchenfrage ‚Wie hältst Du‘s mit der Rüstung?‘ auch hier wieder einholt. Die Diskussion kreist demnach rasch um rüstungsethische, ja philosophische Probleme.

Ab wann ist ein Produkt ein Teil der Waffe

Nicht nur deklarierte der CEO zuletzt das Thema Verteidigung zu einem neuen Fokusbereich für Nokia, das neue Mitwirken im Rüstungssektor lässt sich auch konkretisieren. Nach der Akquisition der US-amerikanischen Fenix Group befinden sich neben Dual-Use-Produkten auch Datenverbindungslösungen im Angebot, welche in einem „Battlefield of Things“ die unmittelbare Befehlskommunikation zwischen dem Soldaten im Feld und potentiell kampffähigen Drohnen ermöglicht. Das Ethik-
Komitee entschied, dass derartigen Schlüsselkomponenten kommunikationsfähiger Waffensysteme zur bekundeten „Erhöhung der Letalität“ nicht der Dual-Use-Status zukommen kann. Mit anderen Worten: Nokia muss nun auch als aktiver Waffenproduzent gelten.

Ausschluss bei Erfüllung der Waffendefinition zwingend

Die ethisch-philosophische Hintergrundproblematik der legitimen Definition von Waffensystemen im Zeitalter von Automatisierung („KI“) und Drohnenkriegen hat am Beispiel Nokia einen weiteren Höhepunkt erreicht. Die zukünftigen Herausforderungen für eine Investmentethik, welche Waffenproduktion und -handel kategorisch ausschliesst, werden ohne Zweifel nicht kleiner werden. Wenn aber einmal Einigung bei der Definition von Waffensystemen erzielt werden kann wie im Fall Nokia, kann es für die Arete Ethik Invest AG nur eine Folgerung auf Basis der gültigen Ausschlusskriterien geben: Nokia kann aufgrund der Herstellung von Waffenkommunikationskomponenten nicht in das Anlageuniversum aufgenommen werden. Ein Ausschluss ist zwingend.