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PRIME VALUES – AKTUELL 04/2025

12. Mai 2026

Änderungen im Anlageuniversum

Das Ethik-Komitee hat für das Anlageuniversum der Arete Ethik Fonds in den vergangenen Monaten unter anderem folgende Entscheidungen getroffen:

A2A Group S.p.A (IT) – Aufnahme

A2A ist einer der grössten Versorgungsdienstleister Italiens für Strom, Gas, Fernwärme, Wasser und Abfallmanagement in der Lombardei. Die Nachhaltigkeitsstrategie überzeugt und deren Wirkung wird von Kennzahlen dokumentiert. Der Schutz natürlicher Ressourcen ist in der Nachhaltigkeitsstrategie verankert, die auch mit eigenen Emissionen von Finanzierungsinstrumenten Massnahmen zu Kreislaufwirtschaft und Biodiversität fördert. So werden beispielsweise Programme zur Rückgewinnung von Rohstoffen und Energie aus der Abfallwirtschaft oder Smart Infrastructure zum Schutz der Böden und Artenvielfalt unterstützt. Die Zukunftsorientierung, Proaktivität sowie Engagement für internationale Initiativen und Standards begründen eine Reputation als nachhaltiger Dienstleister.

Das Ethik-Komitee bewertete A2A mit dem Prädikat „positiv“.

Checkpoint Software (Israel) – Ausschluss

Die israelische Check Point Software Technologies Ltd. entwickelt und vertreibt weltweit Software und Hardware für die IT-Sicherheit von staatlichen und privatwirtschaftlich agierenden Organisationen. Die Produkte sind nachgefragt und wichtig; der Kundennutzen entsprechend hoch. Das Geschäftsmodell ist zwar wertvoll, aber aus Nachhaltigkeitssicht konventionell und ambivalent.In Zeiten der Verlagerung von offensiven Kapazitäten in den digitalen Raum dient das Unternehmen u.a. der Abwehr von Kriminalität, Spionage und In-frastrukturangriffen. Fragen bleiben offen zur etwaigen militärischen und geheimdienstlichen Involvierung und inwieweit Teile des Angebots ebenso offensive Cyber-Kapazitäten aufbauen. Mögliche Verletzungen der Ausschlusskriterien bleiben daher unbekannt. Letztlich reicht es aufgrund mangelnder Punktezahl in der Positivanalyse nicht für eine Aufnahme ins Anlageuniversum.

Das Ethik-Komitee schliesst Check Point Software deshalb mit dem Prädikat „nicht vertretbar“ aus dem Anlageuniversum aus.

 

Top-Performer seit Jahresbeginn

Die Aktie von Ferguson Enterprise Inc. (ISIN US31488V1070) hat in den vergangenen Monaten mitunter den stärksten Performancebeitrag für die Fonds generiert und seit Jahresbeginn in Euro um 31% zugelegt (Total Return, Stand 30.11.2025).

Die US-amerikanische Ferguson Entreprise ist ein führender Distributor von Sanitär- und HLK-Produkten (Heizung/Lüftung/Klima) mit Nieder­lassungen in den USA und Kanada. Das Unternehmen bedient die Endmärkte Wohngebäude, Gewerbe, Zivilbau und Industrie, wobei der Schwerpunkt auf Reparatur-, Wartungs- und Modernisierungsaktivitäten liegt.

Ferguson verzeichnete ein solides Schlussquartal seines Geschäftsjahres 2025 (per 31. Juli) mit einem robusten Umsatzanstieg von 6.9% sowie einer Verbesserung der bereinigten operativen Marge. Treiber dieser Entwicklung waren v.a. die starke operative Umsetzung und der strategische Fokus auf grosse Investitionsprojekte im Nicht­wohnsegment. Dieses Wachstum wurde trotz anhaltend schwacher Neubautätigkeit und einer zurückhaltenden Nachfrage im Renovationsbereich erzielt.

Unsere Portfoliomanager gehen davon aus, dass Ferguson langfristig ein über dem Markt liegendes Wachstum erzielen kann, da es von Grössenvorteilen sowie der Ausrollung der Dual-Trade-Initiative in den Bereichen HLK und Sanitär profitieren dürfte. Der kurzfristige Ausblick fällt allerdings etwas neutraler aus: Nach der starken Kursentwicklung seit Jahresbeginn sehen die Portfoliomanager die Aktie derzeit in einer fair bewerteten Preisspanne und bewerten die Aktie mit einem ausgewogenen Chance-Risiko-Profil.

Mikrofinanz auf dem Prüfstand

Das Ethik-Komitee hat sich in der letzten Sitzung mit dem Thema Mikrofinanz beschäftigt, da dies ein möglicher Baustein in Vermögensverwaltungsmandaten sein kann.

Mehrere, häufig spezialisierte Anbieter, haben Fonds aufgelegt, die es ermöglichen sollen, in die Entwicklung dieser Branche zu investieren. Dabei wählen diese Anbieter Mikrofinanzinstitute aus, die dann vergünstigte Kredite in verschiedenen Formen erhalten, die sie wiederum an KreditnehmerInnen vermitteln, die ansonsten kaum Zugang zum Finanzsystem haben. Was früher undenkbar war, ist mit dieser Finanzierungsart möglich: Klassischerweise ist Kreditkapital sehr vorsichtig, da Ausfälle bei den typischerweise tiefen Kreditzinsen sehr schwer wiegen. Über verschiedene Mechanismen ist es gelungen, Menschen, die häufig ohne Sicherheiten leben, Kredite anzubieten. So ist gewissermassen eine Hilfe zur Selbsthilfe möglich geworden. Diese soziale Innovation wurde 2006 mit dem Friedensnobelpreis gewürdigt.

Die Anbieter von Mikrofinanzfonds ihrerseits ermöglichen es, diverse Risiken auszubalancieren, die zum Beispiel ein Engagement bei einer Direktvermittlungsplattform sehr risikoreich machen: Politische Risiken, Währungsrisiken, Gegenparteirisiken, Forderungsausfallrisiken und Weitere.

Mit dem sehr erfolgreichen Börsengang der 1990 gegründeten mexikanischen Mikrofinanzfirma Compartamos Banco im Jahr 2007 bekam die Branche jedoch zum ersten Mal Gegenwind. Es stellten sich Fragen: Wie ethisch sind profitorientierte Geschäfte mit sehr armen Menschen überhaupt? Wie vermeidet man eine Übervorteilung? Welches Gewicht soll das Ziel der Armutsbekämpfung im Geschäftsalltag bekommen? Oder richtet es ohnehin „der Markt“?

In jüngeren Jahren hat sich in manchen Ländern ein harter Wettbewerb zwischen Anbietern ausgeprägt, der auch zu Fehlanreizen führen kann. Andererseits ist in vielen Ländern die Aufsicht verbessert und sind Schuldenregister eingeführt worden. Die Institute ihrerseits haben diversifiziert und bieten ihren KundInnen nun diverse nützliche Bankdienstleistungen. Die Fondsanbieter, die wir genauer geprüft haben, fördern Institute, die Alternativen zu Wucherern und unethisch handelnden Mikrofinanzierungsanbietern darstellen.

Das Ethik-Komitee bedauert, dass Mikrofinanzierung auch Menschen geschädigt hat. Berücksichtigt man das grundsätzlich überzeugende und unsern Werten entsprechende Streben der Fondsanbieter nach Rendite und positiver Wirkung, scheint uns die Investition in solche Instrumente in einer komplexen Welt unter dem Strich ethisch begrüssenswert zu sein.

Arete Ethik Invest wird bei neuen Investments in diese Anlageklasse die Anbieter auch fragen, welche Rolle Konsumentenkredite spielen, wie sehr die Gelder zum Beispiel auch in städtische KMU fliessen und wie sichergestellt wird, dass KreditnehmerInnen zur Rückzahlung nicht zu verzweifelten Massnahmen greifen müssen.

Menschlicher Fortschritt bleibt ein Prozess – zwischen Genie und Irrtum.