Das Ethik-Komitee hat für das Anlageuniversum der Arete Ethik Fonds in den vergangenen Monaten unter anderem folgende Entscheidungen getroffen:
Zwei Energieinfrastrukturunternehmen aus Grossbritannien wurden dem Ethik-Komitee im zweiten Quartal 2026 vorgelegt. Beiden Titeln ist zu eigen, dass sie in den 2000er Jahren, als damals noch weitestgehend rein konventionelle Versorger, als „nicht vertretbar“ aus dem Anlageuniversum ausgeschlossen worden waren. Bei SSE lag damals z.B. der Anteil fossiler Energieträger an der Energieproduktion noch bei 78%. Seitdem wurde dieser Anteil nicht nur signifikant reduziert, sondern auch aus der Kohle- und Atomenergieerzeugung ausgestiegen. Strategische und ökologische Neuausrichtungen liessen tatsächlich in beiden Unternehmensfällen eine Neubewertung zu.
National Grid beliefert Kunden in England und den USA mit Strom und Gas, produziert selbst am Umsatz aber kaum Energie und hat in den vergangenen Jahren im Rahmen seiner Möglichkeiten Kapazität und Kompetenz zur Integration von erneuerbaren Quellen ins System aufgebaut. Für Fragen der Energiewende und der Verringerung von Abhängigkeiten sind dies essentielle infrastrukturelle Massnahmen, obschon der Spielraum von möglichen Anstrengungen noch lange nicht ausgeschöpft ist.
SSE versorgt Haushalte und Unternehmen in England, Schottland und Irland mit Elektrizität und Gas. Zum Geschäftsmodell gehören auch der Stromhandel, sowie die Stromproduktion aus thermalen und erneuerbaren Quellen, wobei integrierte Energiedienstleistungen wie Installationen (u.a. Solar), Messgeräte und EV-Charging einen relevanten Teil des Umsatzes ausmachen. Gemäss EU-Taxonomie gelten relativ hohe 34% des Umsatzes als taxonomiefähig oder -konform, wobei die hohe Angewiesenheit auf Erdgas weiterhin ökologisch sehr herausfordernd ist und die klar positive Tendenz relativiert.
Das Ethik-Komitee hat SSE mit dem Prädikat «positiv», National Grid mit dem Prädikat «vertretbar» ins Anlageuniversum aufgenommen. Für beide Titel wird die Zukunft zeigen, ob der jeweils beschrittene Transformationspfad eingehalten werden kann.
Valmont Industrie – Aktienkurs (in EUR):
Die Aktie von Valmont Industries Inc. (ISIN US9202531011) hat in den vergangenen Monaten neben nVent Electric und Prysmian mitunter den besten Performancebeitrag für die Arete-Fonds generiert und seit Jahresbeginn in Euro um 20% zugelegt (Total Return, Stand 31.07.2026).Valmont Industries ist ein diversifizierter Industriehersteller mit den zwei Hauptsegmenten «Infrastructure» (Strom-/Versorgungsnetze, Beleuchtung, Verkehr, Telekom, Beschichtungen) und «Agriculture» (Bewässerungssysteme, Präzisionslandwirtschaft). Das Infrastruktursegment überwiegt deutlich mit 78,4 % am Nettoumsatz.
In den letzten zwei bis drei Jahrzehnten drehte sich die öffentliche und wissenschaftliche Diskussion zur Nachhaltigkeit der Energieproduktion und -versorgung oft vor allem um ökologische Fragen. Im Zentrum standen meist die erhofften oder modellierten Effekte der Energiewende auf die globale Klimabilanz.
Doch aktuelle Kriege und geopolitische Instabilitäten verändern diesen Blick. Zunehmend wird deutlich, wie schwierig die Abwägung zwischen zwei Zielen ist: ökologisch hochwertige Energieproduktion einerseits, Unabhängigkeit von natürlich-materiellen Zwängen und politischer Willkür andererseits. Diese – auch physikalisch und technologisch bedingten – Herausforderungen bieten eine Chance: Sie erlauben es, den aus ethischer Sicht oft allzu engen Fokus sinnvoll zu erweitern.
Arete Ethik Invest verfolgt einen diskursethischen Ansatz. Echte Debattenkultur lebt dabei vom offenen Austausch – und von der argumentativen Auseinandersetzung mit Dissens über Lagergrenzen hinweg.
Ziel ist ein authentischer Diskurs, in dem sich der «zwanglose Zwang des besseren Argumentes» durchsetzt. Ein solcher Diskurs lässt sich nicht auf einzelne, wenn auch ethisch legitimierte Ziele reduzieren. Er versucht stattdessen, Gesamtzusammenhänge ganzheitlich zu erfassen, ohne wichtige Aspekte zu vernachlässigen.
Aus dieser Perspektive bieten die aktuellen Zerwürfnisse in der Welt eine echte Chance. So bedrohlich sie realpolitisch auch sind: Sie können zu einer wünschenswerten Entpolarisierung beitragen.
Das zeigt sich exemplarisch am Interesse an Elektromobilität. Dieses Interesse steigt nicht nur wegen hoher Benzinpreise an der Tankstelle. Auch der staats- und regulierungskritische «Prepper» – um ein Klischeebild zu bemühen – beginnt umzudenken. Er lehnt die Abhängigkeit von Wind und Sonne zwar meist ab, doch sie lässt sich technologisch auffangen. Nun fragt er sich, ob diese Abhängigkeit nicht sinnvoller ist als die Abhängigkeit von geopolitischen Machtfaktoren in den USA oder im Nahen Osten. Eine unideologische Abwägung erscheint plötzlich naheliegend.
Gleichzeitig kommt auch ein «dunkelgrün» denkender Investor nicht mehr daran vorbei, die Ethik der Energiewende neu zu denken. Er muss sie zusammen mit der ökologischen und sozialen Ethik der Energieversorgung betrachten – und dabei auch Fragen der Unabhängigkeit einbeziehen.
Eine ganzheitliche «Energieethik» ist deshalb mehr als nur tagesaktuell relevant. Sie ist ein wichtiger Baustein eines ethischen und zukunftsfähigen Investmentportfolios. Zugleich schafft sie die materiell-technischen Voraussetzungen dafür, dass Investments in die (Energie-)Wirtschaft einen ökologisch und sozial wünschenswerten Beitrag leisten können.
Vor diesem Hintergrund ist auch die Wiedervorlage von SSE plc und National Grid plc zu sehen (siehe Rubrik «Änderungen im Anlageuniversum»). Die Fragen zur Ethik der Energiewende und -versorgung sind Schwerpunktthema der nächsten physischen Ethik-Komitee-Sitzung im Herbst 2026.