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PRIME VALUES – AKTUELL 01/2026

18. Mai 2026

Änderungen im Anlageuniversum

Das Ethik-Komitee hat für das Anlageuniversum der Arete Ethik Fonds in den vergangenen Monaten unter anderem folgende Entscheidungen getroffen:

Ørsted A/S (DK) – Aufnahme

Der dänische Energieversorger plant, errichtet und betreibt Offshore-Windparks und Biomasse-Kraftwerke vor allem zur Wärmeerzeugung. In Dänemark
ist das Unternehmen der grösste Stromversorger, in der Erzeugung von Wind auf dem Meer ist es Weltmarkführer mit 16% Marktanteil. Der Kundennutzen der breit genutzten Alltagsnotwendigkeiten Strom und Wärme ist als sehr hoch einzustufen, gerade in Zeiten in denen die Erzeugungssysteme dekarbonisiert werden und  gleichzeitig die Nachfrage stark steigt. Der Konzern trägt dazu bei, die Kosten der Technologie für die Verbraucher zu senken. Als Vorreiter im Kampf gegen die Klimakrise durch die Nutzung erneuerbarer Energiequellen hat sich das Unternehmen einen Namen gemacht, gerade auch global als Partner von Regierungen.

Das Ethik-Komitee hat Ørsted mit dem Prädikat „hochwertig“ ins Anlageuniversum aufgenommen.

TE Connectivity Plc (IR) – Ausschluss

TE Connectivity stellt industrielle Sensoren und Verbindungslösungen für den Signal-, Energie- und Datentransfer her und ermöglicht damit das Funktionieren u.a. von Transportmitteln, Energienetzwerken, automatisierten Fabriken, Datencentern und medizinischen Technologien. Das Ethik-Komitee sieht beim Angebot das  Ausschlusskriterium der Waffenproduktion als unmittelbar verletzt an, obwohl gängige ESG-Ratingagenturen den 1-10%igen Umsatzanteil für die Rüstungsindustrie
typsicherweise als „non-combat equipment“ einstufen. Es handelt sich jedoch nach unserer Einschätzung nicht nur um Dual-Use-Güter mit spezifischen Anpassungen, sondern die „integrierten“ Verbindungslösungen für „unbemannte Kampfdrohnen“, „elektronische Kampfführung“ und Lenksowie Abschussvorrichtungen für Raketenwaffen
stellen inkrementelle (Schlüssel-)Komponenten von Gesamtwaffensystemen dar.

Der Titel wurde entsprechend als „nicht vertretbar“
aus dem Anlageuniversum ausgeschlossen.

nVent Electric – Aktienkurs (in EUR):

 

 

Top-Performer seit Jahresbeginn

Die Aktie von nVent Electric Plc (ISIN IE00BDVJJQ56) hat in den vergangenen Monaten mitunter den besten Performancebeitrag für die Arete-Fonds generiert und seit Jahresbeginn in Euro um 41% zugelegt (Total Return, Stand 30.04.2026). nVent ist ein globaler Anbieter von elektrischen Verbindungs-, Schutz- und Steuerungslösungen für
kritische Infrastrukturen, Gebäude und Industrie. Die Produkte und Dienstleistungen kommen weltweit in Rechenzentren, in der industriellen Automatisierung, in Wohn- und Gewerbegebäuden, bei Energieversorgern, im Bereich erneuerbare Energien, in der Infrastruktur und in Energiespeicheranwendungen zum Einsatz. Gerade die Dienstleistungen und Produkte für Rechenzentren und Energieversorger dürfte mehrjährige starke Wachstumschancen bieten. In diesem Zusammenhang erklärte das Management kürzlich, dass die Auftragespipeline im Bereich Rechenzentren „viel grösser sei, als man denkt“, und dass nVent noch nicht einmal am Anfang seiner
Wachstumschancen in diesem Bereich stehe. Dies ist eine ermutigende Aussage, nachdem das organische Umsatzwachstum im Bereich Rechenzentren im vergangenen Jahr 40% und das Auftragswachstum über 100% betrug. Nach der sehr starken Entwicklung im April haben unsere Portfoliomanager die Position taktisch etwas reduziert, bleiben aber weiterhin investiert.

Frauengesundheit als blinder Fleck im Healthcare-Boom

Zum Auftakt unserer Mitgliedschaft im Businessnetzwerk Fondsfrauen hielt die Vorsitzende des Arete Ethik-Komitees, Prof. Dr. med. Tanja Krones, einen Vortrag zu verschiedenen Aspekten der Geschlechter(un-)gerechtigkeit in der Medizin. Die Erkenntnisse daraus versuchen wir im Anlagegeschäft umzusetzen.

Healthcare gilt als einer der bedeutenden Megatrends im globalen Investmentmarkt. Doch wer wie unsere Medizinethikerin genauer hinschaut, entdeckt systemische Fehler im Fundament: Das medizinische Wissen, auf dem Diagnosen, Therapien und Medikamente basieren, wurde jahrzehntelang fast ausschließlich an Männern gewonnen. Es ist primär ein gesellschaftspolitisches Problem, zudem aber auch ein materielles Risiko und übersehene Chance aus Investmentperspektive.

Beispiele aus der Medizin

Die Konsequenzen sind real und dokumentiert. Bis 1977 schrieb beispielsweise die US-amerikanische FDA (Food and Drug Administration) vor, Frauen im gebärfähigen Alter aus klinischen Studien auszuschließen. Eine Analyse in der Folge ergab, dass eine Mehrzahl an vom Markt genommenen Verschreibungsmedikamenten grössere Gesundheitsrisiken für Frauen aufwiesen als für Männer. Bis heute sind nur rund 5 Prozent der in Europa zugelassenen Arzneimittel für die Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit zugelassen – eine dramatische Unterversorgung.

Im Bereich der Herz-Kreislauf-Forschung beziffert das McKinsey Health Institute den wirtschaftlichen Schaden dieser Forschungslücke: Allein durch das Schliessen der kardiovaskulären Versorgungslücke zwischen Männern und Frauen könnte – neben gesundheitlichen Vorteilen für Frauen und ihre Familien – bis 2040 die US-Volkswirtschaft auch um 28 Milliarden Dollar jährlich entlastet werden. Auch in der KI-gestützten Diagnostik reproduzieren sich bestehende Verzerrungen: Trainiert mit historisch männlich dominierten Datensätzen, liefern Algorithmen bspw. in Radiologie und Dermatologie messbar schlechtere Ergebnisse für Frauen. Und ebenfalls überraschend: Patientinnen haben eine signifikant niedrigere Sterblichkeitsrate, wenn sie von Ärztinnen behandelt werden.

Conclusio

Frauengesundheit ist kein Nischenthema – sie ist ein Prüfstein für Qualität und Glaubwürdigkeit im Gesundheitssystem. Die bestehende Datenlücke verletzt
alle vier Grundprinzipien der Biomedizinethik: Autonomie, Nicht-Schaden, Nutzen und Gerechtigkeit. Unzureichend getestete Medikamente und lückenhafte
Diagnostik stellen zudem Haftungs- und Reputationsrisiken dar. Aber auch positive Signale sind zu verzeichnen: Die Schweiz fördert mit einem Nationalen  Forschungsprogramm gezielt Gendermedizin, der FemTech-Sektor wächst, das Bewusstsein steigt.

Für Investor:innen, die Healthcare-Engagements nach ethischen Kriterien bewerten, lautet die Botschaft klar: Wer Frauengesundheit ignoriert, unterschätzt das systemische Risiko – und verpasst einen der wirkungsstärksten Hebel für bessere Gesundheitsoutcomes und langfristigen wirtschaftlichen Mehrwert.