Carole Häusermann, Inhaberin & Co-CEO des Beratungsunternehmens Red Heights AG in Thalwil, ist neu zur Verwaltungsratspräsidentin von Arete Ethik Invest AG gewählt worden.
Drei Fragen an die neue VRP:
Was hat Sie dazu bewogen, bei Arete in den Verwaltungsrat zu gehen?
Was ich aktuell stark wahrnehme: Das Bewusstsein wächst, dass Kapital mehr leisten soll als Rendite.
Gerade bei Unternehmerfamilien und der nächsten Generation rückt die Frage in den Vordergrund; wofür soll unser Kapital eigentlich stehen?
Viele haben dazu eine klare Haltung aber nicht zwingend die Zeit oder die Struktur, diese konsequent in Anlageentscheide zu übersetzen.
Genau hier setzt Arete an. Mich überzeugt insbesondere der wissenschaftlich fundierte Ansatz mit dem Ethik-Komitee, das jedes Investment systematisch prüft. Das schafft Substanz und unterscheidet Arete klar von vielen oberflächlichen ESG-Ansätzen.
Wo sehen Sie Chancen und Herausforderungen im Bereich des ethischen Investierens?
Der Markt ist aktuell sehr unübersichtlich. Es gibt viel Angebot und leider auch viel Greenwashing. Und oft wird Nachhaltigkeit zu stark auf „grün“ reduziert. Dabei geht es genauso um Governance-Fragen: Wie werden Unternehmen geführt? Welche Haltung steckt dahinter?
Die Chance liegt darin, Kapital bewusst einzusetzen und transparent zu verstehen, welche Wirkung es entfaltet. Gerade für Unternehmer:Innen, die stark im Tagesgeschäft eingebunden sind, entsteht hier ein echter Mehrwert – ein klarer Kompass, fundierte Entscheidungsgrundlagen und ein Umfeld für reflektierten Austausch.
Ich bin der Meinung, ethisch-nachhaltiges Investieren wird gerade erwachsen. Die Phase der Übertreibung flacht ab und damit steigt die Qualität.
Was sind Ihre Schwerpunktthemen für 2026?
Arete ist ein etablierter Anbieter mit starker Verankerung im institutionellen Umfeld. Ein zentrales Anliegen für mich ist es, diesen Ansatz breiter zugänglich zu machen, insbesondere für Unternehmer:Innen, private Anleger und NGOs.
Das bedeutet: komplexe Themen verständlich machen, ohne sie zu vereinfachen.
Gleichzeitig wollen wir das bestehende Netzwerk aus Unternehmern, Familien und NGOs weiter stärken. Gerade in diesem Zusammenspiel entsteht oft die grösste Wirkung.
Ich bin überzeugt, dass Unternehmen langfristig dann erfolgreich sind, wenn sie verantwortungsvoll mit ihren Ressourcen umgehen. Was Patagonia für die Textilindustrie vorgemacht hat, ist für mich ein Leitstern. Wirtschaftlicher Erfolg und Haltung schliessen sich nicht aus, sie bedingen sich zunehmend.